Blick in einen Kindergartenraum: die Wände sind rosa und geschmückt, die Kinder stehen hinter kleinen Pulten.

Meadi Tora - Zukunft für die Kinder der Müllsammler


Im Müllsammlerviertel Meadi Tora leben rund 7.000 Menschen, je zur Hälfte koptische Christen und Muslime. Inzwischen wird in Meadi Tora der Müll nicht mehr direkt vor die Haustüre gekippt und sortiert, sondern in einer Müllsammelstelle in der Wüste sortiert.

Nach Meadi Tora kommen die Müllwagen mit säuberlich gefaltetem Plastikmüll oder Altpapier, das vor Ort weiterverwertet wird. Das Zentrum besteht aus drei Häusern mit folgenden Einrichtungen: Kinderkrippe, Kindergarten, Freizeitklub, Beschäftigungstherapie für Menschen mit Behinderung, Näh- und Alphabetisierungskurs für Mädchen und junge Frauen sowie eine Tagesstätte für Senior*innen und eine Tagesklinik. 

Das Zentrum wird vom Hilfswerk Sr. Emmanuelle unterstützt. Rund 250 Kinder besuchen die Tagesstätte und den Kindergarten im Zentrum. Für viele dieser Kinder wird der Schulbesuch durch österreichische Pateneltern ermöglicht.

Viel hat sich bereits getan seit Projektbeginn im Jahr 1971 

Als Sr. Emmanuelle ihre Arbeit mit den Müllmenschen begann, lebten die Familien in Hütten aus Blech ohne Fenster und Türen. In einer Hütte von 4x4 Metern Größe lebten meist 6 - 10 Personen. Geschlafen wurde auf Matten auf dem Boden. Kleinkinder wurden in der Nacht in mehrere Lagen Stoff eingehüllt, damit sie im Schlaf nicht von Ratten angefressen wurden. Es gab keinen elektrischen Strom und Wasser musste oft weit hergetragen oder in der Stadt gekauft werden. Öffentliche Schulen waren für die Kinder zu weit entfernt, außerdem wurden die Kinder dringend für die Arbeit gebraucht. Die Mädchen wurden mit rund 12 Jahren verheiratet und besuchten nie eine Schule. 1970-1980 gebaren die Frauen 10-12 Babys. Die Kindersterblichkeit im 1.Lebensjahr betrug damals 50% (40% starben an Tetanus!), jetzt ist sie auf 1% gesunken.

Heute haben auch Mädchen die Möglichkeit, die Schule zu besuchen, einen Beruf zu erlernen und selbständig zu werden. Sie können das Gymnasium am Mokattam besuchen und nach der Matura an der öffentlichen Universität studieren. Die Familien haben jetzt im Durchschnitt 3-4 Kinder und ihr Lebensstandard und ihre Gesundheit haben sich verbessert. Die Lebenserwartung der Menschen in den Müllsammlervierteln betrug früher für Frauen 37 Jahre und für Männer 50 Jahre. Heute liegt die Lebenserwartung durch verbesserte medizinische Versorgung und bessere Wohn- und Lebensbedingungen für Frauen bei 60 Jahren und für Männer bei 67 Jahren.