• Die Reisegruppe aus Österreich

    Die Reisegruppe aus Österreich

  • Die Reisegruppe vor dem Hotel

    Die Reisegruppe vor dem Hotel

  • Die Schulkinder posierten gerne vor der Kamera

    Die Schulkinder posierten gerne vor der Kamera

  • Kinder im Müllsammlerviertel Meadi Tora

    Kinder im Müllsammlerviertel Meadi Tora

  • Kinder in Meadi Tora

    Kinder in Meadi Tora

  • Die Kinder lernen mit großer Begeisterung

    Die Kinder lernen mit großer Begeisterung

  • Ein Mädchen aus dem Kindergarten am Mokattam

    Ein Mädchen aus dem Kindergarten am Mokattam

  • Treffen mit den Patenkindern...

    Treffen mit den Patenkindern...

  • Treffen mit den Patenkindern

    Treffen mit den Patenkindern

  • Treffen mit den Patenkindern

    Treffen mit den Patenkindern

  • Schulhof am Mokattam

    Schulhof am Mokattam

  • Kinder in der Mokattam-Schule

    Kinder in der Mokattam-Schule

  • Kinder in der Mokkatam-Schule

    Kinder in der Mokkatam-Schule

  • Kinder in der Mokkatam-Schule

    Kinder in der Mokkatam-Schule

  • Kinder in der Mokkatam-Schule

    Kinder in der Mokkatam-Schule

  • Sr. Nada und Sr. Takhla, die Schulleiterin

    Sr. Nada und Sr. Takhla, die Schulleiterin

Besuch in Kairo 2014

Im Dezember 2014 besuchte Waltraud Liebich die Schwestern in Kairo. Dabei konnte sie sich ein Bild von den aktuellen Verhältnissen am Mokattam machen:

 

Mein erster Besuch bei den Müllsammlern in Kairo liegt schon viele Jahre zurück, und doch erinnere ich mich daran, als wäre es gestern gewesen.

 

Aus dem Grazer Novembernebel-Grau kommend landeten wir bei 35°C mitten im Sommer, freudig erwartet von Schwester Emmanuelle und Schwester Sara. Der herzliche Empfang ließ uns rasch die bürokratischen Hürden der Einreise vergessen, und erwartungsvoll bestiegen wir den Kleinbus, der uns auf den Mokattam bringen sollte, einen Hügel mit schroff abfallenden Klippen, übersät von Behausungen aus Wellblech, aufgeschnittenen Tonnen, Pappe. In den engen, unbefestigten Gassen Unmengen von Müll, abgeholt aus den reicheren Vierteln der Hauptstadt, einfach vor den Häusern abgeladen und darauf wartend, von den Frauen und Kindern sortiert zu werden.

Natürlich hatte ich Fotos gesehen, wusste, was mich erwartete, und freute mich auf die vielen Kinder. Woran ich allerdings nicht gedacht hatte, war der unbeschreibliche Gestank über all dem, am ehesten vergleichbar mit einer offenen, lange nicht geleerten Biomülltonne im heißen Sommer... Dazu Hunde, Katzen, die nach Fressbarem suchten, Schweine, denen man Speisereste verfütterte, unzählige große Ratten, die gar nicht scheu ihren Anteil am Festmahl forderten. Vorsichtig und auf jeden Schritt achtend stiegen wir aus dem Bus und waren sofort umringt von freundlichen Frauen und strahlenden Kindern, die uns begrüßten und willkommen hießen, denn die Freunde der Schwestern seien auch ihre Freunde.

Noch nie hatte ich Derartiges erlebt: Menschen in extremer materieller Armut und so reich an Freude über Besucher! Menschen, die das Wenige, das sie hatten, teilten: Wie oft wurden wir zu einer Tasse Tee eingeladen! Unsere mitgebrachten kleinen Geschenke waren ihnen beinahe peinlich.

 

Unsere materielle Hilfe, diesen Beitrag zu einer gerechteren Welt, wie in Schwester Emmanuelle auf ihren Vortragsreisen immer wieder einforderte, hat hoffentlich dazu beigetragen, das Leben der Müllsammler nachhaltig zum Besseren zu verändern: Mittlerweile stirbt kein Kind mehr an Tetanus, die alten Blechhütten haben gemauerten Häusern Platz gemacht, es gibt Wasser und elektrischen Strom auf dem Mokattam, doch noch immer wird der Müll vor den Hauseingang gekippt, dort sortiert und verwertet. Es gibt eine Kompostfabrik, aus den Plastikabfällen wird Granulat erzeugt und verkauft, aus Textilabfällen entstehen bunte Fleckerlteppiche, Metallteile werden sortiert und verkauft, usw. Was allerdings noch zu tun bleibt, ist, den Wert von Schulbildung allen Müllsammlern zu vermitteln. Obwohl es mittlerweile einige Jugendliche aus dem Elendsviertel geschafft haben, nach dem Besuch der wunderschönen Schule am Mokattam, die auch mit Hilfe aus Österreich errichtet wurde, ein Universitätsstudium abzuschließen, gibt es immer noch Kinder, die keine Schule besuchen. Die Patenschaften, die wir vermitteln, sollen auch diesen Kindern die Chance auf Bildung geben.

 

Unsere Besuche bei den Müllsammlern haben uns die Augen geöffnet für das, was wirklich wichtig ist im Leben: Mitmenschlichkeit, Respekt, Toleranz, Begegnung auf Augenhöhe. So haben diese Reisen nicht nur die Lebensbedingungen der Müllsammler verändert, sondern auch uns nachhaltig geprägt.

Die Müllmenschen in Kairo

Die Müllmenschen leben am Rande der Stadt in sechs großen Elendsvierteln rund um die 17-Millionenstadt Kairo. Auf Arabisch werden sie Zabaleen genannt, ihren Namen haben sie von ihrer Tätigkeit. Sie besorgen die Müllabfuhr der Millionenstadt: sie sammeln und verwerten rund 40% des in Kairo anfallenden Mülls und recyceln ihn zu fast 85%. Der Hausmüll, Abfälle aus Büros, Hotels, Krankenhäusern usw. werden nachts eingesammelt und mit Eselkarren, Pickups und Kleinlastern in das Müllsammlerviertel oder in eine Müllsammelstelle in der Wüste transportiert. Hier wird er in stundenlanger Arbeit händisch sortiert, großteils von Frauen ohne Handschuhe., Alles Wiederverwertbare wird herausgesucht: Glas, Plastik, Papier, Lumpen, Blechdosen, Metall. Plastikabfälle werden geschmolzen und in Granulat für Kunststofffabriken verwandelt. Vom Verkauf all dieser Dinge leben die Familien. Rund 80% der Müllsammler kommen so auf ein monatliches Einkommen von rund 800-1000 Pfund (100-120 €). Jene Müllsammler, die Maschinen zum Recycling wie beispielsweise für Granulat besitzen, erzielen ein höheres Einkommen. Küchenabfälle wurden bis April 2009 an Schweine verfüttert, die an christliche Metzger rund um Kairo verkauft wurden. Vorgeblich aus Angst vor der Schweinegrippe ordnete jedoch die ägyptische Regierung die Schlachtung der Schweine an, wodurch sich die wirtschaftliche Situation der Müllsammler verschlechterte. Seither bessern sich Familien vermehrt ihr Einkommen durch Taubenhaltung auf. Was noch halbwegs genießbar ist, wird selbst gegessen. Der Restmüll wird auf die angrenzenden, stinkenden Müllberge abtransportiert. Preissteigerungen bei Lebensmitteln machen den Müllsammlern zu schaffen: 1 Liter Öl kostete 2009 3 Pfund, im Jahre 2010 zwischen 5 und 10 Pfund, je nach Qualität. 1 Kilo Reis kostete 1 Pfund, dieser Preis hat sich verfünffacht! Der Preis für Teigwaren stieg von 2 Pfund auf 6 - 10 Pfund, und Fleisch von 35 Pfund auf 150 Pfund! Seit Anfang 2011 sind die Preise für Grundnahrungsmittel weiter angestiegen.